Julian Angel´s BEAUTIFUL BEAST


Auch im Jahre 2014 schreiben wir in gewissen Regionen Deutschlands immer noch das Jahr 1989 – zumindest was die Musik angeht. Julian Angel hat mit seiner Band BEAUTIFUL BEAST wieder einmal gezeigt, dass Hair Metal auch im Hier und Jetzt noch lebendig ist und speziell auf dem neuen Album nicht immer zuckersüß klingen muss sondern gern auch mal eine kräftigere Metal-Schlagseite haben darf. Natürlich haben wir es uns nicht entgehen lassen, den Chefdenker selbst über Gott und die Welt zu befragen:

S.T.: Hallo Julian – ich hoffe es ist alles gut im hohen Norden (immerhin wohnt er ja in den nördlichen Gefilden Bayerns und somit um einiges weiter oben als der Schreiber dieser Zeilen). Eine Frage vorweg: Hast Du eigentlich ein Ritual, wenn Du Deine Zeitmaschine für BEAUTIFUL BEAST anwirfst?

Julian Angel.: (lacht) Da kann ich Dir eine ganz einfache Antwort geben: ich brauch ja gar nicht mit der Zeitmaschine zu fahren, denn eigentlich bin ich ja in der Zeit – Ende der 80er - sitzen geblieben. Allerdings: sollte ich mal in die jetzige Zeit reisen, müsste ich mir wahrscheinlich einen Eimer hinstellen, also lass ich das lieber (lacht)!

S.T.: Wie bist Du bisher mit der Resonanz sowohl von den Fans als auch von den Kritikern zufrieden?

J.A.: Die Fans haben mir bisher erzählt, dass es das bisher beste BEAUTIFUL BEAST Album ist. Jeder Künstler erzählt ja auch immer, dass die neue Scheibe die beste ist, das sehe ich zwar auch so in diesem Fall, aber auch die Fans geben mir dieses Feedback, was mich natürlich sehr freut. Von den Kritikern bekomme ich auch sehr oft diese Rückmeldung aber es gibt auch einige, die den Vorgänger „California Suntan“ besser fanden. Dem Metal Hammer allerdings hat die Platte gar nicht gefallen – ich habe aber schon befürchtet, dass die Schmäh-Kritiken dieses Mal ausbleiben und so bin ich fast schon froh darüber, dass dieser Redakteur seinen Gefühlen freien Lauf gegeben hat (lacht).


S.T.: Auch die neue Scheibe „Kick Down The Barricades“ war wieder nach gut einem Jahr in trockenen Tüchern. War das Zufall oder ist das Dein Biorythmus mittlerweile?

J.A.: Ich meine, es hat dieses Mal etwas länger gedauert, denn die letzte Scheibe kam im August 2012 und jetzt haben wir ja schon 2014. Aber ich hatte auf anderen Gebieten viel um die Ohren und da hatte ich gar keine Zeit, neue Songs zu schreiben geschweige denn irgendwas aufzunehmen. Aber natürlich habe ich mich gleich wieder dran gemacht, als die Zeit wieder lockerer auf der Uhr war. Also es hat dieses Mal auf jeden Fall etwas länger gedauert.

S.T.: Du hast einen neuen Drummer an Bord. Erzähl doch mal, wie es dazu kam.

J.A.: Der Ramy Ali ist der wahrscheinlich am meisten beschäftigte Drummer weltweit. Er wohnt ungefähr fünfzig Kilometer Luftlinie von mir entfernt und aus der lokalen Coverband-Szene haben wir uns schon gekannt. Als ich mal auf der Suche nach einem Drummer für ein paar Live-Gigs war hab ich ihn einfach mal angerufen. Er ist ein unheimlich netter und zuverlässiger Kerl und er hat dann auch zugesagt. Natürlich kennt man ihn als superschnellen Double-Bass-Gewitter Drummer aber er hat mir erzählt dass er generell auch mal groovige Sachen spielen möchte und dann hat das natürlich gepasst. Außerdem war es wirklich angenehm mit ihm zu arbeiten – auch in menschlicher Hinsicht.

Ramy Ali - BEAUTIFUL BEAST

S.T.: Diese Konstellation macht Live-Gigs aber nicht unbedingt einfacher oder?

J.A.: Das ist nach wie vor mein Problem. Wenn Du heutzutage als Musiker leben möchtest, musst Du mehrere Standbeine haben. Neben Deiner Band hast Du vielleicht noch eine zweite und gibst dazu noch Unterricht und da sind die Terminkalender der Kollegen natürlich dementsprechend vollgestopft. Da ist es verdammt schwierig so was zu organisieren, speziell wenn Du ein paar zusammenhängende Gigs spielen möchtest.

S.T.: Hast Du denn schon etwas in dieser Richtung geplant bisher?

J.A.: Bis jetzt noch nichts konkretes aber es gibt ein paar Bands, mit denen wir was machen könnten. Wir hatten schon ein paar Anfragen sowohl von deutschen als auch von ausländischen Bands. Da wäre es natürlich eine tolle Sache, wenn z.B. eine Band aus Schweden für ein paar Gigs nach Deutschland kommt und wir dann im Gegenzug ein bisschen durch Schweden reisen.

Julian Angel - BEAUTIFUL BEAST

S.T.: Stilistisch hast Du für das neue Album ein bisschen was verändert. Weniger Pomp und Lippenstift, dafür ein bisschen mehr Metall und ein raueres Klangbild. Was waren Deine Beweggründe?

J.A.: Das hat sich einfach so ergeben. Das liegt auch an meinen Hörgewohnheiten. Ich bin ein bisschen weggekommen von den glattgebügelten AOR Sachen und hab mich wieder mal mehr mit RATT, DOKKEN und Co. beschäftigt und habe ganz neue Seiten daran entdeckt. Als ich dann gemerkt habe, dass ich die Hälfte der neuen Songs ganz ohne Keyboard gemacht habe, hab ich sie bei den restlichen Songs auch weggelassen. Vielleicht wird die Musik auch besser akzeptiert speziell auch von etwas härter gesottenen Fans, die mit glattgebügelten Sounds nicht so viel anfangen können.

S.T.: Neben den Hits, die gleich ins Auge fallen (als Beispiel „Can´t Stand The Fiction“) gibt es diesmal einige Nummern, die ihre Schönheit erst bei mehrfachem Hören entfalten. War das Deine Absicht?

J.A.: Ich finde, es gibt so Songs, die sind nicht wirklich melodisch. Und obwohl sie keinen typischen Ohrwurmcharakter haben werden sie zu Hits. Das beste Beispiel ist da. „Paradise City“ von GUNS´N ROSES. Und es gibt Bands, da stechen einfach die coolen Riffs hervor. Das habe ich zum Beispiel bei „Shock Em Dead“ gemacht: der Song ist relativ unmelodisch und der Hook liegt nicht in der Melodie sondern im Gitarrenriff. Das sind dann auch die Songs wo man länger braucht um reinzukommen aber ich persönlich finde, dass man dann auch länger was davon hat.

S.T.: Du hast dieses Mal auch ein Video gedreht. Wie wichtig ist solch eine visuelle Präsentation und warum genau dieser Song?

J.A.: Wie wichtig das ist kann ich Dir noch nicht sagen. Ich finde einfach, dass es Dir eine gewisse Ernsthaftigkeit verleiht. Genauso finde ich es auch wichtig, eine CD zu haben und nicht nur einen Download oder irgendwelche Files im Internet. Da hast Du vielleicht noch einen Cover-Designer bezahlt und so weiter und das sind alles Dinge, wo die Leute vielleicht sehen, dass Du es auch ernst meinst. Und ein Video gehört mittlerweile oder wieder genau so dazu. Ursprünglich wollte ich „Big Stuff“ nehmen, hatte aber kurz darauf „Bad Boys Never Dance“ grob fertig und dann haben mich die Bandmitglieder sowie mein persönliches Umfeld davon überzeugt, diesen Song zu nehmen. Die Geschichte wäre vielleicht ähnlich gewesen, nur dass wir keine Polizistin gehabt hätten sondern einen Sekretärin (lacht). Das ist zwar nichts Neues in dem Sinn, aber es sollte ja auch mit Hair Metal zu tun haben und da wollten wir uns schon treu bleiben.

Frank McDouglas - BEAUTIFUL BEAST

S.T.: In den USA waren die Vorräte Deines neuen Albums bei Demon Doll Records innerhalb eines Tages vergriffen. Hast Du ne zu kleine Schachtel davon geschickt oder hättest Du diesen Run selbst nicht erwartet?

J.A.: Ich hätte diesen Run definitiv nicht erwartet und hätte nie gedacht, dass speziell dort so schnell zugegriffen wird. Außerdem wurden auch noch sämtliche anderen CD´s die sie noch von mir hatten gleich mit verkauft. Aber Nachschub ist schon unterwegs!

S.T.: Schwirren schon wieder Ideen für ein nächstes Album im Kopf rum oder gibt es Left-Overs?

J.A.: Ich hab nie Left-Overs, denn irgendwie hab ich während des Songwritings schon im Gefühl ob daraus was wird oder nicht. Vielleicht gibt es einige Ideen im Kopf aber nichts fertig aufgenommenes. Für komplett neue Ideen ist es jetzt auch noch zu früh, momentan bin ich diesbezüglich etwas ausgebrannt und ich muss mir erstmal wieder andere Geschichten anhören, um da mal wieder auf Null zu kommen.

S.T.: Beim letzten Interview haben wir über die Highlights von „California Suntan“ gesprochen. Du hast gesagt, dass sich diese immer erst später herauskristallisieren…wie sieht´s denn jetzt damit aus?

J.A.: Hmmm, das ist schwierig, denn es kommt darauf an, ob es um meine persönlichen Highlights geht oder ob man etwas repräsentatives Nennen will. Aber zu meinen Highlights gehört erstmal der Opener „Wet, Wild, Willing“, dann „Addiction To The Friction“ – schon immer – und der Pre-Chorus von „Cry Cry Cry“ (singt).

S.T.: Du hast ja sicher viele musikalische Ideen abseits von Beautiful Beast. Hast Du schon mal drüber nachgedacht, anderen Vorlieben zu frönen?

J.A.:  Sex? (lacht). Ich bin ja immer noch ein großer Fan von groovigen Sachen und könnte mir eine Soloscheibe im Stil von “Choreography Sucks” noch einmal gut vorstellen. Irgendetwas in der Schnittmenge von PRINCE, MOTHERS FINEST und MÖTLEY CRÜE.

S.T.: Du hast kürzlich auch eine Demo-Collection veröffentlicht. Allerdings nur digital und für kurze Zeit. Was war die Antriebsfeder dafür?

J.A.: Genau genommen war es eine Marketingidee, von der ich gehört habe und sie ausprobieren wollte. Die Resonanz hielt sich, ehrlich gesagt, in Grenzen. Hätte ich eine CD pressen lassen, hätten sicherlich mehr Fans zugegriffen, da wir uns im Rock und Metal Bereich ja in einer sehr stark physisch dominierten Stilecke befinden.

S.T.: Über Deine Vorbilder haben wir noch gar nicht gesprochen. In Deinem regelmäßigen Newsletter „Hair Metal News“ stellst Du ja immer eher unbekannte Bands vor…sind das auch generell Deine Faves?

J.A.: Das sind überwiegend Bands, über die ich im täglichen Leben stolpere, zum Teil auch befreundete Bands, die ich unterstütze. Meine Vorbilder waren früher die typischen Gitarrenhelden: Richie Sambora, wegen dem ich überhaupt mit dem Gitarrespielen angefangen habe, Yngwie Malmsteen, Steve Vai. Mittlerweile haben sich aber George Lynch, Warren De Martini und Steve Stevens als Favoriten herausgebildet. Bei den Sängern stehe ich auf kantige Stimmen wie die von David Lee Roth, Jon Bon Jovi, Alice Cooper, Sebastian Bach oder Steve Plunkett von Autograph. Letzterer ist wohl auch ein starker Einfluss auf mein Songwriting.

BEAUTIFUL BEAST - Liveshot

S.T.: Schön langsam entwickelt sich die Hair Metal Szene immer weiter und mittlerweile gibt es viele neue Platten auch wieder in den Multimediaabteilungen der großen Ketten zu kaufen. Was denkst Du – wird der Hair Metal die Weltherrschaft ein weiteres Mal übernehmen können?

J.A.: Ich befürchte nicht. Ich sehe zwar nicht schwarz für Metal im Allgemeinen aber die wenigsten beugen sich mittlerweile dem Mainstream, denn die Menschen können ihre Lieblingsmusik im Internet praktisch unbegrenzt entdecken. Aber dadurch kann speziell auch die Hair Metal Szene wieder wachsen weil die Leute sehen, dass die Bewegung nicht 1990 aufgehört hat sondern immer noch oder speziell in der letzten Zeit wieder stärker wird. Ich denke dass sich die Nische vergrößern wird aber es auf keinen Fall ein weiteres Mal zum Mainstream wird.

S.T.: Du bist ja unter anderem auch Veranstalter von MusicBiz Madness, einer Musikkonferenz, die darauf ausgerichtet ist, den Erfolg als Musiker zu steigern. Planst Du in naher Zukunft eine weitere Veranstaltung dieses Kalibers?

J.A.: Ja, da soll es diesen Herbst ein weiteres Event geben. Aber der genaue Termin steht noch nicht fest und auch der Veranstaltungsort ist mit Frankfurt am Main noch nicht ganz sicher.

S.T.: Auf der Internetseite gibt es aber nach wie vor wertvolle Tipps rund um die Vermarktung der eigenen Kapelle…

J.A.: Das wird weiterlaufen und bei der Veranstaltung wird das gesamte Spektrum dann dementsprechend vertieft und noch breiter gefächert sein.

S.T.: Aber Du hast ja noch mehr Standbeine…u.a. habe ich erst kürzlich gesehen, dass Du mit Sound Of Action.com auch Musik für Filme und Projekte anbietest. Erzähl doch mal…

J.A.: Das hab ich gemacht, allerdings muss ich da mal einen neuen Anlauf machen und alles etwas generalüberholen. Dort soll es dann einen richtigen Shop geben, der es natürlich einfacher machen soll, die verfügbaren Sequenzen komfortabler zu erwerben. Generell handelt es sich dabei um Instrumentalstücke der etwas härteren Gangart, die als Hintergrundmusik für Filme, Sportbeiträge oder auch in der Werbung verwendet werden können. Ich hab da auch schon sehr namhafte Referenzen – z.B. American Express und der US-Sender CBS - aber es ist kein sehr einträgliches Geschäft.

S.T.: BEAUTIFUL BEAST ist also ein guter Gegenpol zum täglichen Geschäft…oder?

J.A.: Absolut, aber ich versuche natürlich auch im täglichen Geschäft der Hair Metal Poser zu sein (lacht).

S.T.: Ja, dann bleibt mir nichts mehr als Dir weiterhin viel Erfolg mit der neuen Platte zu wünschen und falls Du unseren Lesern noch was mitteilen möchtest, ist das jetzt Deine Gelegenheit:

J.A.: Als Rockstar würde ich natürlich sagen „wir sind so begeistert von dem neuen Album, es ist das beste das wir je gemacht haben und es sollte jeder im Regal stehen haben“. (lacht). Nein im Ernst: wer nicht im Jahr 1989 steckengeblieben ist darf sich gerne auf die Zeitmaschine setzen und mit Hilfe unseres Albums diese Zeit noch mal neu erleben – zumindest auditiv – wir freuen uns sehr darüber. Außerdem ist jeder der das Album hat gerne eingeladen, uns seine Meinung mitzuteilen – sei es per E-Mail oder über Facebook – und z.B. seine Lieblingssongs preiszugeben.

S.T.: Also worauf wartet Ihr? Was, Ihr habt „Kick Down The Barricades“ noch nicht? Dann wird es aber höchste Eisenbahn, sonst dreht die Zeitmaschine die nächsten Runden ohne Euch! Ich möchte mich auch noch mal ausdrücklich bei Julian für die Zeit und das äußerst nette Gespräch bedanken! Cheerz!

Stefan

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