LUCID DREAMING


Mit dem Metaloperprojekt LUCID DREAMING hat sich der ELVENPATH Gitarrist Till Oberboßel seinen lang gehegten Traum erfüllt mal etwas mit mehreren Gastsängern zu machen. Heraus gekommen ist ein Album welches Freunde des klassischen Power Metals als auch Freunde der Metaloper zufrieden stellen sollte. Da der gute Till so wie ich aus der Rhein Main Region kommt, bot sich hier ein erfrischender kleiner Metaltalk an.

J.P: Hallo Till, erstmal vielen Dank das du mir ein paar Fragen zu deinem neuen Projekt LUCID DREAMING und vielleicht auch zu deiner Stammband ELVENPATH beantwortest.
Für die Metalheads da draußen die dich noch nicht so kennen, stell dich und deinen Werdegang, sowie dein neues Projekt LUCID DREAMING doch einmal kurz vor?

T.O: Hallo und danke für Dein Interesse an LUCID DREAMING und ELVENPATH!
Ja also ich bin Gitarrist und mache schon seit geraumer Zeit Musik. Von den ersten Kellerbands über die erste halbwegs ernstzunehmende Undergroundband (SATANIC WIZARD – Black Metal, 1 CD) bis zu den aktuellen Aktivitäten war es ein langer Weg. Meine musikalische Hauptbeschäftigung ist meine Band ELVENPATH, welche seit nunmehr elf Jahren ihr Unwesen treibt. Wir spielen traditionellen Power Metal, spielen öfters live und haben bislang zwei Demos und zwei Alben veröffentlicht.
Seit kurzem gibt es nun auch noch das Projekt LUCID DREAMING, welches stilistisch ebenfalls im Power Metal angesiedelt ist und im August 2013 das erste Album „The Chronicles Pt. I“. Hier gibt es allerdings kein festes Bandgefüge sondern eine ganze Reihe Gastsänger, welche die verschiedenen Charaktere der Geschichte, welche auf dem Album erzählt wird, darstellen. Man könnte von einer „Metaloper“ sprechen, allerdings mag ich diesen Begriff überhaupt nicht, für mich ist es einfach ein Konzeptalbum. Oder auch, da es sich um eine Literaturvertonung handelt, ein Hörbuch, haha.

J.P: Du wolltest ja schon immer mal etwas mit mehreren Sänger etwas machen. Wie schwierig war es denn nun diese Unternehmen zu bewerkstelligen und auch zu starten?

T.O: Es war schon eine Menge Arbeit. Ich habe das Album alleine geschrieben, den Großteil der Musik selbst aufgenommen, die ganzen Gesangsgeschichten koordiniert…es hat sich im Endeffekt auch über mehrere Jahre gezogen. Allerdings hatte ich auch keine Deadline im Nacken, der einzige Druck war der, den ich mir selber gemacht habe. Aber ich bin natürlich heilfroh und auch durchaus stolz, daß das Album nun tatsächlich fertig geworden und veröffentlicht ist. Und weil der Wahnsinn kein Ende nehmen soll, habe ich schon die zweite Platte anvisiert, haha.

J.P: Du hast ja einige bekannte Stimmen auf der Platte. Erzähl doch mal kurz wie kam denn der Kontakt zu den einzelnen Sängern zu Stande und wie lief die Zusammenarbeit so ab? Hast du alle persönlich getroffen?

T.O: Mit einer Ausnahme (Jason Conde-Housten) war ich mit allen Sängern schon vorher bekannt bis befreundet. Lediglich Jason habe ich bis heute nicht persönlich kennengelernt, aber ich mochte natürlich seinen Gesang bei SKELATOR. Ich habe mir bei der Arbeit an dem Album schon Gedanken gemacht, was für eine Stimme zu welchem Charakter passen könnte. Je nachdem, ob da jetzt ein alter Krieger oder ein junger Hirte auftritt, muß auch die Stimme entsprechend klingen. Das war ein bißchen wie das Casting für einen Film, haha. Ich habe dann aber alle Rollen gut besetzen können, und alle Beteiligten waren schnell und gerne dabei.
Bei den Sängern, welche im Rhein-Main-Gebiet beheimatet sind, war ich bei den Aufnahmen anwesend. Das war etwa die Hälfte. Das lief durchweg ohne Probleme, ich hatte vorab eine Demoversion der Songs eingesungen, aber alle hatten auch die Freiheit, Gesangslinien nach ihren Vorstellungen abzuändern. Teilweise kamen da noch sehr gute Ideen zutage, die ich so gar nicht hatte.
Die weiter entfernt lebenden Sänger haben ihre Parts dann bei sich aufgenommen und zugeschickt. Da mußte ich einfach Vertrauen haben, daß etwas ordentliches dabei herauskommt, aber ich hatte auch keinerlei Zweifel. Wieso auch, schließlich handelt es sich allesamt um Könner, und ich bin von dem Ergebnis noch immer richtig begeistert.


J.P: Erzähl uns doch mal etwas zur Geschichte des ersten LUCID DREAMING Albums. Du hast als Background ja die Bücher von Lloyed Alexander „The Chronicles of Prydain“ ausgewählt. Warum ausgerechnet dies Bücher und gehe ich recht in der Annahme das du ein fleißiger Fantasy Buchleser bist?

T.O: Da hast Du absolut recht – ich lese quer durch den Gemüsegarten, aber Fantasyliteratur hat bei mir einen besonderen Stellenwert. Ich mag da so ziemlich alle Unterkategorien, und auch die Chroniken von Prydain sind mir, seit ich sie als Kind geschenkt bekommen habe, sehr ans Herz gewachsen. Ich habe diese Pentalogie über all die Jahre mehrmals gelesen, und als ich mich fragte, wovon denn mein Konzeptalbum handeln könnte, bin ich ziemlich schnell in Prydain gelandet.
Die Hauptperson ist der Junge Taran, welcher als Findelkind aufwächst und im Verlauf der fünf Bände nicht nur seinen Platz in der Welt finden muß sondern auch zahlreiche Erfahrungen macht, Personen trifft und Abenteuer besteht. Klassische High Fantasy und gleichermaßen eine Coming-of-Age-Geschichte. Das Album behandelt dabei die ersten beiden Bände „The Book of Three“ und „The Black Cauldron“. Für einen detaillierteren Abriß der Handlung verweise ich auf die entsprechenden Wikipedia-Artikel – oder noch besser die Bücher selbst; ich kann die Lektüre nur empfehlen.

J.P: Wenn ich den Albumtitel „The Chronicles Pt I“ richtig deute wird es wohl mehrere Scheiben in dieser Machart geben, ist das richtig und hast du da schon eine ungefähre zeitliche Vorstellung?

T.O: Klar, kein erster Teil ohne einen zweiten. Ich schreibe schon fleißig daran und hoffe, im Spätsommer 2014 mit den Aufnahmen beginnen zu können. Wann es aber eine Veröffentlichung geben wird, vermag ich beim besten Willen nicht zu sagen. Das hängt bei vielen Personen von vielen Faktoren ab – ich hoffe einfach mal, daß es nicht allzulange dauern wird, aber genauer kann ich das wirklich nicht sagen.
Textlich wird es ebenfalls wieder nach Prydain gehen, allerdings nicht chronologisch. Den dritten Band werde ich auslassen, statt dessen werde ich mir den vierten Band „Taran Wanderer“ vorknöpfen, der ist mein Lieblingsband aus der Reihe.

J.P: Wenn ich mich richtig erinnere hast du bei den letzen ELVENPATH Alben ziemlich viel selbst gemacht was die  Aufnahmen und das Mastering angeht. Bei LUCID DREAMING war das Ganze aber etwas professioneller aufgehängt. Hat das einfach nur mit dem Geld und dem Labelbackground zu tun oder wolltest du das Ganze dieses Mal auch einfach nicht mehr alles in Eigenregie machen?

T.O: Das stimmt nicht ganz. Die beiden ELVENPATH Demos haben wir in Eigenregie aufgenommen, aber einen guten Sound haben wir nicht so recht hinbekommen. Daher haben wir die beiden Alben „Spyrol“ und „Elvenpath“ auch in einem professionellen Studio (Kohlekeller-Studio – hier haben u.a. schon POWERWOLF, AGATHODAIMON, CREMATORY, VIRON und viele andere produziert) aufgenommen und gemischt, was zwar unsere Konten in schwarze Löcher verwandelt hat, dafür können die Alben soundtechnisch aber mehr als überzeugen.
Für das Lucid-Album bin ich einen Mittelweg gegangen, da ich eine komplette Produktion in einem Profistudio nicht alleine hätte finanzieren können. Man muß dazu sagen, daß ich erst Bewerbungen an Labels geschickt habe, als das Album bereits fertig aufgenommen, gemischt und gemastert war. Die Instrumente und der Gesang wurden also in einem Demostudio aufgenommen, trotzdem haben wir aber gutes Equipment verwendet und mit Michael Frölich saß ein sehr kompetenter Soundmann an den Reglern. Die fertigen Aufnahmen wurden dann im Kohlekeller –Studio gemischt und gemastert, was den Sound nochmal ordentlich verbessert hat.

J.P: Gehen wir mal auf ein paar Songs von „The Chronicles Pt I“ ein. Für mich sind „Motherless Child”, “The Quest for the white Pig”, “To Caer Dathyl”, “Swords for Pyrdain” sowie “Where Evil Rides” die hervorstechenden Songs. Willst du uns über diese ein bisschen was erzählen? Hast du eigentlich auch irgendwelche Favoriten auf dem Album?

T.O: Es fällt mir schwer, auf die Songs einzeln einzugehen. Für mich ist das Album ein Gesamtwerk, das ich mir nur am Stück anhöre, da gehört eins zum anderen. Entsprechend kann ich auch keinen Lieblingssong nennen.
Textlich fügen sich die Stücke natürlich in die erzählte Geschichte ein, aber das würde hier den Rahmen sprengen. Wer sich dafür interessiert, sollte zuerst die beiden Bücher lesen und dann anhand der Texte nachvollziehen, welche Passagen erzählt werden, welche Stimmung auf welche Weise musikalisch erzählt wird. Da gibt es viele Details zu entdecken.

J.P: Ich möchte die Chance nutzen und auch ein bisschen über deine Hauptband ELVENPATH sprechen. Wird es von euch auch bald neues Material geben und plant ihr dieses Mal vielleicht mit einem Label zu arbeiten, damit euer Material vielleicht einer noch breiteren Fanscharr bekannt wird? Limb Music würde sich ja jetzt quasi anbieten : - )

T.O: Ich hätte nichts dagegen, mit ELVENPATH bei einem Label zu landen, aber es müßte halt auch ein klarer Vorteil gegenüber der Vertragsfreiheit sein. Und was uns bislang so geboten wurde, war irgendwo zwischen uninteressant und Abzocke. Da war nichts dabei, was wir nicht selbst hätten schaffen können.
Limb Music hatten uns vorher kein Angebot gemacht, aber die Zusammenarbeit für LUCID DREAMING verläuft soweit zufriedenstellend, so daß da von meiner Seite aus nichts im Wege steht. Wir haben aber noch nicht darüber gesprochen.
Es wird aber noch etwas dauern, bis es ein neues ELVENPATH Album geben wird. Die Songs sind zwar fast komplett fertig, aber wir haben beschlossen, uns noch ein Jahr Zeit zu nehmen, um das Material wirklich ausgiebig auszufeilen und live zu spielen. So wollen wir sichergehen, daß die Songs ihren optimalen Reifegrad erreicht haben, wenn wir sie dann aufnehmen. Geplant ist, daß wir im Herbst 2014 ins Studio gehen, eine Veröffentlichung wird es also im Frühling 2015 geben.

J.P: Außer den unterschiedlichen Sängern, worin glaubst du liegen die Hauptunterschiede zwischen deiner Stammband ELVENPATH und deinem neuen Projekt LUCID DREAMING?

T.O: Ich sehe da eigentlich keine großen Unterschiede und habe mich auch nicht bemüht, etwas grundlegend anders zu machen. Ich kann halt beim Songwriting auch nicht aus meiner Haut. Allerdings wurde mir schon von diversen Leuten unabhängig voneinander gesagt, daß das Lucid-Material einen nicht zu unterschätzenden Folk-Touch habe. Finde ich interessant, denn bei der Arbeit an dem Album war mir das gar nicht so aufgefallen, und ich habe ja auch keine folktypischen Instrumente verwendet. Aber durch manche Melodieführung und in Kombination mit der erzählten Geschichte ist wohl doch ein gewisser Folkfaktor dabei.
Ansonsten ist ELVENPATH natürlich eine Band mit einer festen Besetzung, die regelmäßig probt und öfters auftritt. LUCID DREAMING hingegen ist ein Studioprojekt mit nur einem festen Mitglied und einer ganzen Reihe Gäste.

J.P: Generell würde mich einfach mal interessieren wie du eigentlich auf die Idee mit LUCID DREAMING gekommen bist? Bist du mit ELVENPATH einfach nicht mehr ausgelastet und du wirst doch vermutlich auch noch einen „richtigen“ Job haben oder? Woher nimmst du dann die Zeit für zwei Bands?

T.O: Zeitmanagement ist alles. Natürlich habe ich mit ELVENPATH viel zu tun, gehe nebenher auch einer normalen Arbeit nach und habe auch einige Interessen abseits der Musik. Aber ich bin recht strukturiert und kann gut planen, da bekomme ich dann schon alles irgendwie unter einen Hut. Hilfreich ist dabei auch, dass LUCID DREAMING eben keine Band sondern ein Projekt ist, weshalb Proben und Konzerte wegfallen.

J.P: Mit ELVENPATH seit ihr ja immer mal wieder live zu sehen, glaubst du die Fans können sich eines Tages auch auf eine Liveumsetzung des LUCID DREAMING Materials freuen? Oder ist das einfach zu kostspielig und man muss erst die Größe von AVANTASIA erreichen um so etwas zu realisieren?

T.O: Das wäre natürlich sehr cool, aber es ist einfach unrealistisch. Da müßten erstmal jede Menge Terminkalender koordiniert werden, man müßte Gastmusiker einarbeiten, die Hälfte der Sänger einfliegen lassen, proben…ein Riesenaufwand und alles andere als billig. Das wäre nur durch einige entsprechend große Konzerte zu rechtfertigen, und das ist einfach unrealistisch. LUCID DREAMING war von vornherein als Studioprojekt geplant und wird es wohl auch bleiben, sozusagen Heavy Metal fürs Wohnzimmer, haha.

J.P: Wage doch mal ein Blick in die Zukunft, wo siehst du dich und deine Bands in ein paar Jahren, wo steht die Metalszene in ein paar Jahren wenn vielleicht einige der großen alten Recken wie IRON MAIDEN, JUDAS PRIEST oder AC/DC nicht mehr existieren?

T.O: Ich glaube ja nicht, daß IRON MAIDEN, JUDAS PRIEST oder AC/DC irgendwann aufhören werden. In Zeiten immer weiter sinkender Verlaufszahlen kann sich doch keiner mehr leisten, in Rente zu gehen, die werden noch 50 Jahre touren, haha.
Im Ernst, darüber mache ich mir nicht viel Gedanken. Es gibt heutzutage mehr Bands denn je, und wenn die alten Helden irgendwann tatsächlich abtreten, werden andere ihre Plätze einnehmen. Sie werden sie anders ausfüllen, aber die Szene wird nicht am Mangel an guten Bands eingehen.
Was ELVENPATH und LUCID DREAMING angeht: Ich hoffe natürlich, daß der Bekanntheitsgrad noch weiter wachsen wird, daß künftige Alben von den Fans gut aufgenommen werden und ELVENPATH noch so manchen schönen Gig spielen werden. Wir werden auf jeden Fall versuchen, unsere Musik weiter über den Globus zu verbreiten. Sowohl ELVENPATH als auch LUCID DREAMING werden sicherlich noch einige Alben veröffentlichen, und ich hoffe, daß wir unseren eigenen kleinen Platz in der Metalgeschichte haben werden.

J.P: Vielen Dank Till für deine Zeit und die interessanten Antworten im Zuge dieses Interview! Ich wünsche euch alles Gute für die Zukunft, die letzten Worte gehören natürlich dir.

T.O: Vielen Dank an Dich für die Möglichkeit, hier meine Musik vorstellen zu dürfen. Ich möchte die Leser einladen, ELVENPATH und LUCID DREAMING im Internet zu besuchen und mal in die Songs reinzuhören, wenn Ihr sie noch nicht kennt. Und wenn Euch die Musik gefällt, seid bitte so fair und kauft die CDs, statt sie runterzuladen. Darüber hinaus solltet Ihr den Underground unterstützen – kauft Demos, geht auf Konzerte und tragt die Flamme weiter. Stay Metal! 

Julian

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